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Die Finsternis
Dunkelheit im Dezember,
Kälte, kahle Geäste.
Am späten Nachmittag schon
entschwindet das
spätherbstlich flüchtige Tagesgestirn!
Drei Wochen
nur noch
bis zum Tiefpunkt!
Nur nicht fühlen,
dass jetzt Finsternis herrscht!
Schon im frühen Abend regiert
Mitternachtsnacht.
Tag, wo bist du hin?
Wie flach und flüchtig du bist!
Die Sonne weilt nur noch zu Gast.
Mondeskinder sind wir, nur Mondeskinder noch!
"Papperlapapp, mir macht die
Dunkelheit nichts aus!"
brüstet sich der anscheinend so
starke Mann, auf welchen
viele der Damen so fraglos geflogen -
doch nun liegt er mit Infekten
fiebernd
zu Bett: im Beginn
des Dezember.
Bei elektrischen Lichterketten und Kerzen.
Dunkelheitsresistent wir uns wähnen -
doch grippale Infekte
strecken uns nieder,
Migräne, Missgeschick und
depressive Verstimmung
im Dezember.
Bei elektrischen Lichterketten und Kerzen.
Mit Blei in den Adern
ich mich schleppe
durch mein Pensum und meine Programme -
denn die Finsternis wirkt:
draußen wie drinnen.
Meine Lebenslügen und -lügeleien,
wie fürchte ich sie!
Meine Bedürftigkeit,
meine Schmerzen und Strenge!
Die gepredigte und die tatsächliche Schuld.
Das weinende und das wütende
Kind in mir, welches nach
Gerechtigkeit und nach Geborgenheit schreit!
Auf welch hohem Rosse ich sitze:
nur nicht spüren,
wenn die Dunkelheit ruft:
meine Schatten, die so kostbar,
zeigte sie mir -
hätte ich nur Mut! ...
Lieber nicht hinschauen!
Vor mir selbst mich verleugnen!
Gleich dem Petrus, der den Christus verriet!
Und am Heiligen Abend dann und
den zu feiernden Tagen
in Sicherheit mich wähnen
vor der Stille in der
Tiefe der Nacht -
mit Karpfen und Gänsekeulen,
Gebäck und Kaffee ...
um auf diese Weise, in
der Familie leidlich geborgen,
dem Frösteln
für diesmal
wieder zu
entkommen.
Wir protzen, die Finsternis meine
uns nicht!
Doch sie findet einen jeden!
Es bleibt nur die Wahl:
ob du dir selber begegnest in der Nacht -
oder ob du dich fliehst ...
ob du dich liebend berührst -
oder barsch ...
wenn in deiner Blöße du dich findest
im finsteren Stall!
Doch leuchtet in all der Finsternis
denn nirgends ein Licht?
Das Wunder geschieht dir in
der fügsam durchfürchteten Tiefe
innerer Nacht: dort
begegnet dir
unversehens das göttliche Licht:
in deiner Ohnmacht
die du kampflos durchlebst,
empfängst du das Wunder österlichen Lichts!
Und als ein Künstler entdeckst du
den lichten Sinn
in deinem Leben,
wenn du den Gott in dir dazu befragst -
als ein Künstler öffnest du dich
dem inneren göttlichen Licht,
wenn du dir, gleich dem Columbus,
von ihm wegleuchten lässt -
als ein Künstler öffnest du dich
dem inneren göttlichen Licht,
wenn du hinterfragst, womit
dein Kleines Ich dich tagtäglich
denkt und bedenkt ...
und wenn du auf die Antworten wartest
des Gottes in dir!
Du bist also gleichermaßen das Sterntalerkind,
dem Wunder geschehen,
und der Genius,
der seine Wunder selber erschafft.
(c) August
Sonnenfisch, im Dezember 2003 ff
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