Heute ist der 02. Dezember 2011 

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Die Finsternis
         

        Dunkelheit im Dezember,
        Kälte, kahle Geäste.
        Am späten Nachmittag schon
        entschwindet das
        spätherbstlich flüchtige Tagesgestirn!
        Drei Wochen
        nur noch
        bis zum Tiefpunkt!

        Nur nicht fühlen,
        dass jetzt Finsternis herrscht!

        Schon im frühen Abend regiert
        Mitternachtsnacht.
        Tag, wo bist du hin?
        Wie flach und flüchtig du bist!

        Die Sonne weilt nur noch zu Gast.
        Mondeskinder sind wir, nur Mondeskinder noch!

        
"Papperlapapp, mir macht die
        Dunkelheit nichts aus!"

        brüstet sich der anscheinend so
        starke Mann, auf welchen
        viele der Damen so fraglos geflogen -
        doch nun liegt er mit Infekten
        fiebernd
        zu Bett: im Beginn
        des Dezember.
        Bei elektrischen Lichterketten und Kerzen.

       Dunkelheitsresistent wir uns wähnen -
        doch grippale Infekte
        strecken uns nieder,
        Migräne, Missgeschick und
        depressive Verstimmung
        im Dezember.
        Bei elektrischen Lichterketten und Kerzen.

        Mit Blei in den Adern
        ich mich schleppe
        durch mein Pensum und meine Programme -
        denn die Finsternis wirkt:
        draußen wie drinnen.

        Meine Lebenslügen und -lügeleien,
        wie fürchte ich sie!
        Meine Bedürftigkeit,
        meine Schmerzen und Strenge!
        Die gepredigte und die tatsächliche Schuld.
        Das weinende und das wütende
        Kind in mir, welches nach
        Gerechtigkeit und nach Geborgenheit schreit!

        Auf welch hohem Rosse ich sitze:
        nur nicht spüren,
        wenn die Dunkelheit ruft:
        meine Schatten, die so kostbar,
        zeigte sie mir -
        hätte ich nur Mut! ...
        Lieber nicht hinschauen!
        Vor mir selbst mich verleugnen!
        Gleich dem Petrus, der den Christus verriet!

        Und am Heiligen Abend dann und
        den zu feiernden Tagen
        in Sicherheit mich wähnen
        vor der Stille in der
        Tiefe der Nacht -
        mit Karpfen und Gänsekeulen,
        Gebäck und Kaffee ...
        um auf diese Weise, in
        der Familie leidlich geborgen,
        dem Frösteln
        für diesmal

        wieder zu entkommen.


        Wir protzen, die Finsternis meine
        uns nicht!
        Doch sie findet einen jeden!
        Es bleibt nur die Wahl:
        ob du dir selber begegnest in der Nacht -
        oder ob du dich fliehst ...
        ob du dich liebend berührst -
        oder barsch ...
        wenn in deiner Blöße du dich findest
        im finsteren Stall!

       

        Doch leuchtet in all der Finsternis
        denn nirgends ein Licht?

        Das Wunder geschieht dir in
        der fügsam durchfürchteten Tiefe
        innerer Nacht: dort
        begegnet dir
        unversehens das göttliche Licht:
        in deiner Ohnmacht
        die du kampflos durchlebst,
        empfängst du das Wunder österlichen Lichts!       
       
        Und als ein Künstler entdeckst du
        den lichten Sinn
        in deinem Leben,
        wenn du den Gott in dir dazu befragst -
        als ein Künstler öffnest du dich
        dem inneren göttlichen Licht,
        wenn du dir, gleich dem Columbus,
        von ihm wegleuchten lässt -
        als ein Künstler öffnest du dich
        dem inneren göttlichen Licht,
        wenn du hinterfragst, womit
        dein Kleines Ich dich tagtäglich
        denkt und bedenkt ...
        und wenn du auf die Antworten wartest
        des Gottes in dir!

       

        Du bist also gleichermaßen das Sterntalerkind,
        dem Wunder geschehen,
        und der Genius,
        der seine Wunder selber erschafft.


 

           (c)  August Sonnenfisch, im Dezember 2003 ff