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Das
Christkind
von
Stijn Streuvels
Über der ganzen
Ebene, soweit sie reichte, lag der Schnee glänzend im Mondschein da.
Das erste, was Veva tat, war, dass sie zum Himmel aufblickte, den großen
Stern wiederzufinden, und aufgeregt erzählte sie Trese, wie der große
Stern gerade über dem Häuschen zu sehen gewesen war, wo das Christkind
aufs neue zur Welt kam. Aber nun sah der Himmel ganz anders aus: alle
Sterne hatten ihr Licht angesteckt! Am schwarz-blauen Himmelszelt
wimmelte es von großen und kleinen Sternen, wirr durcheinander und
dicht gesät; sie funkelten und tanzten wie zitternde Feuerfünkchen,
wie schelmische Augen, die fortwährend zwinkerten und blinzelten. Und
mitten zwischen ihnen hing der schöne runde Vollmond, der die ganze
Welt mit silbrigem Glanz übergoss und den Schnee erglitzern ließ, so
weit das Auge reichte. Der Wind hatte sich gelegt, und es war ganz still
in dieser Nacht. Der Schnee krachte, er knirschte unter jedem Schritt;
an anderen Stellen war er pulverig wie leckeres Backmehl, das unter dem
Fuß aufstäubt.
Veva fand jetzt
alles noch viel einsamer und stiller als am Abend. Es beängstigte und
erfreute sie zugleich, wenn sie daran dachte, dass es nun Nacht war, die
echte heilige Christnacht, und dass sie sich aufgemacht hatte, das
Jesuskind zu schauen; es war zu überwältigend, um es zu glauben. Sie
stapfte zwischen Trese und der Mutter einher, und das war ihr das einzig
Sichere, daran sie sich überzeugen konnte, dass es kein Traum war, was
sie hier draußen auf dem Feld erlebte. Und doch, es kam noch die Kälte
dazu! Die Kälte, die überall hinkniff, wo sie bloße Haut vorfand, und
den ganzen Körper des Kindes wie mit tausend Nadeln stach, so dass es tüchtig
wehtat. Zu Hause am Herd war es so warm gewesen, dass sie es nun draußen
schwer aushalten konnte - der Unterschied war gar zu groß. Aber als sie
so mit den Zähnen klapperte, dass Mutter es hörte, warf diese ihr
ihren Mantel über den Kopf, und nun wurde es wirklich lustig. Veva lief
wie in einem Kapellchen, im dunkeln, aber warm eingemummt, und nun wusste
sie selbst nicht mehr recht, ob sie vorwärts ging oder an Ort und
Stelle trippelte; sie ließ sich nur führen, hielt Mutters Hand fest
und fing an, von ihrem unsagbaren Glück zu träumen.
Fortsetzung : MORGEN |