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Fortsetzung
vom 13.12.04 - Das Christkind von Stijn Streuvels
Die Pächtersfrau
und die Magd plauderten leise miteinander. Veva aber wollte oder konnte
es nicht hören, weil sie sich mit ihren eigenen Gedanken beschäftigte.
Nach einer Weile öffnete
Veva den Mantel einen Spalt breit, und als sie mit einem Auge
durchguckte, sah sie vorn Trese, die alte Magd, die mit beiden Bündeln
am Arm unter dem weit offenstehenden Mantel einem wandelnden Fuder Heu
glich. Nun wagte Veva noch einen Blick, um in die Ferne auszuschauen,
und wahrhaftig; „Sieh, Mutter“, rief das Kind, „siehst du es! Das
Licht brennt noch! da ist's!“ „Ja, das ist das Kätnerhaus, wir sind
bald da...“
„Und was willst du
nun zu dem Kindlein sagen?“ Veva wusste nicht, was sie antworten
solle; sie hatte nicht daran gedacht, dort etwas zu sagen - das würde
sie sich nie getrauen -, sie wollte nur das Kindlein still bewundern.
„Ich will es ansehen, Mutter“, sagte sie.
„Und hast du das
Kindlein nichts zu fragen? Das ist aber wenig.“
Veva überlegte,
aber sie konnte es sich nicht denken, sonst noch irgend etwas zu tun als
das göttliche Kind anzuschauen. Sie war voll schaudernder Ehrfurcht vor
dem, was sie erleben sollte, und schätzte diese Gunst allein so hoch,
dass kein anderes Verlangen in ihr aufkommen konnte. Sie fühlte sich
unwürdig, wie die dürftigste unter den Hirtinnen, die voll Glückseligkeit,
aber voll Furcht sich leise nahen und niederknien und kaum aufzuschauen
wagen zu dem göttlichen Kind, das wirklich aus dem Himmel auf die Erde
herabgestiegen ist. Sie konnte es sich nicht anders vorstellen; sie kam
nur, anzubeten, und schon das war ein großes Glück für sie. Aber nun
erfüllte Mutters Vorschlag, der sie wie eine große Überraschung traf,
ihr Herz mit neuer Freude.
Fortsetzung
: MORGEN |