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Fortsetzung
vom 17.12.04 - Das Christkind von Stijn Streuvels
„Dicht bei dicht
macht warm“, sagte Meetje Moeie freundlich, „es ist hier zwar etwas
eng, wir sitzen alle in ein und demselben Nest, da spart man Feuerung...
Wir wärmen uns gegenseitig, seht...“ Und sie wies auf eine dunkle Höhlung
auf dem Boden zwischen dem Fußende des Bettes und der Mauer: „Da
liegen schon zwei Schläfer, und die beiden ältesten müssen gleich
noch mit hinein - das ist die Schlafstelle für die Mädchen.“ Dann
zeigte sie auf das ausgetretene Loch unter dem Webstuhl: „Das ist das
Bett der beiden Jungen, sie liegen auch schon drin.“
Es war zu dunkel,
als dass man etwas unterscheiden hätte können, und es musste der Pächterin
allmählich zum Bewusstsein kommen, wie es hier von Kindern wimmelte und
wie die untergebracht waren. „Schlafen die Würmchen auch nur so auf
der Erde?“, fragte sie teilnehmend.
„Ach da liegen sie
warm, sie haben zusammengeballte Säcke und ein paar Lumpen in ihrer
Kuhle, und sie wärmen sich aneinander“, sagte Meetje Moeie.
„Still, dass sie
nicht wach werden! flüsterte die Bäuerin, denn sie fürchtete, es möchte
jeden Augenblick ein tüchtiges Geschrei losbrechen, wenn das Kroppzeug
munter würde. Gott, wie war es möglich, hier so aufeinandergepackt zu
hausen? Jetzt merkte sie, dass es hier noch an anderem als an
Kinderwindeln und leinenen Lappen fehlte. Sie wusste nicht, was sie tun
oder sagen sollte, so beschämt war sie, hier als behäbige Bäuerin zu
stehen, und es tat ihr leid, dass sie nicht viel mehr mitgebracht hatte,
was diesen Leuten dienen könnte. Diesen Weihnachtsbesuch hatte sie als
reine Freundlichkeit aufgefasst, um einer Laune ihres Kindes zu genügen,
aber nun sah sie den Ernst der Lage, und ein grenzenloses Mitleid erfüllte
ihr Gemüt. Als sie sich nach Veva umsah, merkte sie, dass das Kind -
Gott weiß wie - durch den engen Raum zwischen den Stützen des Kamins
und dem Webstuhl zu der Krippe geklettert war und an die beiden andern
geschmiegt dastand.
Fortsetzung : MORGEN |